Hoffmanns Erzählungen

Der Giulietta Akt“ aus „Hoffmanns Erzählungen“

von Jaques Offenbach

In seiner bekanntesten Oper „Hoffmanns Erzählungen“ fasst der deutsch-französische Komponist Jaques Offenbach (1819-1880) vier wesentliche Texte des deutschen Romantikers E. T. A. Hoffmann (1776-1822) zusammen und verwebt sie zu einer leidenschaftlichen und spannungsgeladenen Oper über den Dichter selbst.

Basierend auf Hoffmanns „Die Serapionsbrüder“, „Rat Krespel“, „Der Sandmann“ und „Abenteuer in der Sylvester Nacht“, beschreibt er die getriebene und unerfüllte Liebe des Dichters Hoffmanns zu verschiedenen Frauen Gestalten (Olympia, Antonia, Stella und Giulietta), und wie diese Liebe den Dichter in die Abgründe der menschlichen Existenz treibt.

Die 1880 posthum uraufgeführte Oper blieb nach Offenbachs Tod ein Torso. Da Abfolge und genaue Ausformung unklar blieben, gab das Anlass zu zahlreichen Fassungen und Versionen.

Nun wagt sich das Berliner Figurentheater Ensemble (BFE) an die Oper und setzt sie als Figurentheater um. Regisseur Georg Jenisch nimmt dabei den 4. Akt, den Giulietta-Akt, heraus. Die darin vorgesehen Dialoge werden durch die Originalerzählungen von E. T. A. Hoffmann ersetzt, die der Oper zu Grunde liegen ( insbesondere „Das verlorene Spiegelbild“ aus der Sammlung „Abenteuer in der Sylvester Nacht“). Mit diesem Kunstgriff verbindet Georg Jenisch nicht nur die beiden sprachlichen Komponenten der beiden Urheber, Deutsch und Französisch, sondern unterstreicht auch die düster schillernde Leuchtkraft des ursprünglichen Texts, der Jaques Offenbach ursprünglich zu diesem Meisterwerk inspirierte.

In seiner Umsetzung mit eigens dafür geschaffenen Marionetten sowie einer abstrakten, symbolreichen Ausstattung, rückt Georg Jenisch seine Inszenierung weit in den Bereich des Phantasmagorischen. So macht er eine Welt von „fieberhaften Träumen“ (Goethe) wahrhaft lebendig.

Das Berliner Figurentheater Ensemble

Das Berliner Figurentheater Ensemble (BFE) ist die Theatergruppe des Puppentheater – Museums Berlin. Das Ensemble wurde 2025 von Cagri Ylmaz, Istanbul, Uwe Framenau, Berlin, und Georg Jenisch, Salzburg gegründet. Sein Ziel ist es, die Ausstellung der einzigartigen Sammlung an Theaterfiguren mit Leben zu erfüllen und durch den Zusammenschluss von nationalen und internationalen Künstlern die Vielfältigkeit und die zeitgemäßen Möglichkeiten des Figurentheaters zu erforschen und auszuloten.

Damit stellt das BFE sowohl einen praktischen als auch ideellen Angelpunkt in der Berliner Figurentheaterszene dar.

DerGIULIETTA-Akt – Handlung

In der berühmten berliner Weinstube „Lutter und Wegener“ verbringt der Dichter Hoffmann eine winterkalte Sylvester-Nacht. Zunehmend betrunken, phantasiert er sich in den ewig lockenden Süden und träumt von der lustverheißenden Stadt Venedig. Er wähnt sich dort inmitten einer Illustren und grotesken Festgesellschaft. In diesem maskenhaften Treiben begegnet ihm die Kurtisane Giulietta.

Giulietta, in Begleitung ihres Freundes und Beschützers Dapertutto, ist dem fremden deutschen Poeten zugetan, der ihr in wilder Liebe verfällt.

Dapertutto, der personifizierte Teufel („überall“), verführt mit einem besonders wertvollen und geheimnisvollen Diamanten als Preis Giulietta dazu, dem Dichter sein Spiegelbild zu rauben. Die Kurtisane willigt schaudernd ein.

Ihr verflossener Liebhaber Schlemihl, den Giulietta ebenso im Auftrag Dapertuttos einst um seinen Schatten betrog, beobachtet Hoffmanns Begehren argwöhnisch.

Schlemihl fordert den Dichter zum Kartenspiel heraus und bringt ihn damit um sein Vermögen. Der Streit eskaliert. Es kommt zu einem Duell zwischen beiden Kontrahenten. Dapertutto steht Hoffmann zur Seite und leiht dem Waffenlosen seinen teuflischen Degen.

Hoffmann ersticht Schlemihl. Dem Sterbenden entwendet Hoffmann noch die Schlüssel zu Giuliettas Gemächern und macht sich in leidenschaftlicher Liebe zu ihr auf den Weg.

Die Kurtisane wurde bereits von dem Duell von dessen Ausgang informiert. Inständig rät sie Hoffmann wegen des Mordes an Schlemihl, so rasch wie möglich die Stadt zu verlassen. Der Dichter lehnt ab und gesteht ihr seine Liebe. Da rät Giulietta ihm, sich in Sicherheit zu bringen und ihr als Ersatz sein Spiegelbild zu überlassen. Hoffmann ist erschüttert über diesen wahnwitzigen Vorschlag, erkennt aber in einem vorgehaltenen Spiegel, dass es Giulietta mit ihrem zauberischen Blick tatsächlich gelungen ist, ihm sein Spiegelbild zu entwenden. Hoffmann bricht unter dem Hohngelächter Dapertuttos und der maskenhaften Gesellschaft zusammen.

Umringt von den Geistern von Wein und Bier erwacht Hoffmann im fahlen Morgengrauen bei „ Lutter und Wegener“. Ein neues Jahr hat begonnen.

Regie und Ausstattung Georg Jenisch

Co-Regie Cagri Ylmaz

Puppenbau Georg Jenisch

Spiel Kirsten Fritzsche

Georg Jenisch

Petra Kleefeld

Cagri Ylmaz

Eine Koproduktion vom Puppentheater-Museum Berlin e.V. und dem

dem Berliner Figurentheater Ensemble